Der Landesverband der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz befürchtet sehr stark, dass die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung auf Grund der aktuellen Entwicklung im Gesundheitswesen einerseits und durch die Sparmassnahmen im Bereich der Eingliederungshilfe andererseits gefährdet ist. Das Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland befindet sich derzeit im Umbruch, wobei die Kosten dieses Systems den Diskussionsschwerpunkt bilden.
Die erste Generation behinderter Menschen hat das Erwachsenenalter erreicht. Die Zahl der behinderten jugendlichen, erwachsenen und bereits älteren Menschen nimmt ständig zu und übersteigt bereits die Zahl der behinderten Kinder.
Durch die zunehmende Zahl älterer und alter Menschen mit geistiger Behinderung stehen Angehörige, Einrichtungen und deren Mitarbeiter vor strukturellen, inhaltlichen und persönlichen Herausforderungen.
Mit Erreichen des Jugendalters, spätestens jedoch im Erwachsenenalter müssen die Betroffenen die Ebene der gesicherten pädiatrischen gesundheitlichen und sozialen Versorgung verlassen. Sie sind den kinderärztlichen Praxen, sozialpädiatrischen Zentren und Kinderkliniken entwachsen, einer Versorgungsstruktur, die flächendeckend über Jahrzehnte aufgebaut wurde und in der sich Kinder wie Eltern gut aufgehoben fühlten. Eine entsprechende ambulante und stationäre Versorgungsstruktur für die steigende Zahl der behinderten Jugendlichen und Erwachsenen fehlt. Damit werden oft im Kindesalter verfolgte und erreichbare Rehabilitationsziele aufgegeben und erreichte Ergebnisse gehen verloren.
Dies gilt für alle Behinderungsformen, jedoch zeigt sich dieser Mangel besonders bei Patienten mit medizinisch uns sozial komplexer Problematik.
Behinderte Menschen müssen an der medizinischen Versorgung und Rehabilitation in vollem Umfang teilhaben können. Dies gehört zur Barrierefreiheit, die in den Gleichstellungsgesetzen zu Recht gefordert wird.
Für die ständig steigende Zahl der behinderten Jugendlichen und Erwachsenen fehlen ambulante und stationäre Versorgungsstrukturen.
Die Lebenshilfe fordert deshalb:
Entsprechend dem Grundsatzprogramm der Lebenshilfe fordert der Landesverband die sachlichen Voraussetzungen und die Kenntnisse über geistige Behinderung so zu verbessern, dass geistig behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene als Patienten selbstverständliche Aufnahme finden, das Krankenhauspersonal im Umgang mit ihnen ihre Persönlichkeit respektiert und sie insgesamt eine angemessene Behandlung erfahren.
Es erwies sich aber als notwendig, mehr Daten über die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderung zu gewinnen, um Defizite genauer erkennen und dementsprechend die Hilfesysteme für die Zukunft weiter entwickeln zu können. Deshalb wurde mit Unterstützung der EFH Bochum und von Herrn Prof. Dr. F. R. Volz ein gemeinsames Projekt zum Thema gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderung gestartet. Zwei Diplomandinnen haben eine empirische Untersuchung in Rheinland-Pfalz durchgeführt, deren Ergebnis nun vorliegt und in unserer Broschüre dargestellt wird. Darauf aufbauend legen wir ein Zukunftsmodell vor, das besonderen Wert auf die regional differenzierte Versorgung und auf die Rehabilitation und Verbesserung der Teilhabe im Sinne des SGB IX legt.
Die Broschüre steht
nur noch als PDF-Datei zur Verfügung (Download hier).